Schutzstrategien | Wie beeinflussen sie dich und was kannst du dagegen tun?

Schutzstrategien sind Strategien und Maßnahmen, mit Hilfe derer wir andere oder uns selbst schützen können. In der Psychologie stehen Schutzstrategien in enger Beziehung zu unseren Glaubenssätzen, auf die wir bereits näher eingegangen sind.

Schutzstrategien-Hände-Schutz

Unterbewusst versucht jeder Mensch sich so zu verhalten, dass er seine negativen Glaubenssätze möglichst nicht wahrnimmt und nicht durch diese beeinflusst wird. So hast auch du über die Jahre deine individuelle Schutzstrategie entwickelt um dich vor deinen persönlichen negativen Glaubenssätzen zu schützen. Hast du dich bereits mit deinen negativen Glaubenssätzen befasst? Falls nicht, kannst du dir gerne meine Beiträge zu diesem Thema durchlesen. Hier erkläre ich dir auch wie du deine negativen Glaubenssätze identifizierst.

Vor- und Nachteile deiner Schutzstrategien

Deine Schutzstrategien sind nie ausschließlich gut oder schlecht. Es gibt unterschiedliche Vor- und Nachteile, die ich dir zum besseren Verständnis gerne anhand von zwei Beispielen 

Es ist wichtig, dass du deine Schutzstrategien wertschätzt und würdigst. SIe haben dir in deiner Kindheit geholfen, waren angemessen und sinnvoll. Du bist lediglich aus ihnen “herausgewachsen”. Zudem kann eine leichte Ausprägung einzelner Schutzstrategien ebenfalls als positiv gewertet werden. So hilft eine leichte Form des Strebens nach Perfektion dabei, seine Ziele zu erreichen.

Die Nachteile deiner Schutzstrategien sind noch eindeutiger. So führt zum Beispiel das Streben nach Kontrolle und Macht als Resultat des Glaubenssatzes “Ich bin ohnmächtig” zum Beispiel dazu, dass du immer die Oberhand gewinnen willst. DIes wirkt sich auf verschiedene Bereiche des Lebens aus, zum Beispiel auf deinen Job und deine Beziehungen. Es fällt dir schwer dich unterzuordnen, Konflikte und ausgeglichene Partnerschaften sind die Folge.

Da die Nachteile deiner Schutzstrategien leider so gravierend sind und einen so enormen EInfluss auf dein Sein, deine Gefühle und dein gesamtes Leben haben, ist es wichtig diese zu neutralisieren. Hierfür ist es zunächst wichtig die Strategien, die sich wie bereits erwähnt in deiner Kindheit gebildet haben, zu erkennen. Erst wenn du sie kennst und vor allem auch verstehst, hast du die Möglichkeit sie zu würdigen und vollständig ins positive zu verändern.

Metastrategien – Gruppierung deiner Schutzstrategien

Anstatt sich jeder Schutzstrategie einzeln zu widmen ist es einfacher und übersichtlicher diese in Gruppen zu teilen. Diese Gruppen nennen wir Metastrategien. Unter diesen Metastrategien lassen sich die individuellen und speziellen Strategien dann einordnen.

Damit du dir ein besseres Bild dieser Metastrategien machen kannst und die Ein- und Unterordnung leichter fällt, stelle ich dir im folgenden ein paar Beispiele vor.

Selbstschutz: Helfersyndrom

Typische Glaubenssätze: “Ich muss dir helfen, um geliebt zu werden.” “Ich bin von dir abhängig.”

Menschen, die unter einem sogenannten Helfersyndrom leiden, versuchen sich selbst aufzuwerten, indem sie anderen Helfen. Personen, die ihre Hilfe benötigen geben ihnen ein positives Gefühl. Andere, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen hingegen verunsichern sie. Das Problem an dieser Schutzstrategie ist, das Menschen mit einem Helfersyndrom sich vorzugsweise Menschen suchen, denen nicht zu helfen ist. Sie verstricken sich also in aussichtslosen Hilfsprojekten. Dadurch begeben sie sich ein einen Teufelskreis aus dem Versuch zu Helfen und der Niederlage es nicht zu schaffen. Oft sind diese Personen dadurch auch von Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen geprägt.

Der Gedanke hinter dieser Schutzstrategie ist “du brauchst mich, also bleibst du bei mir.”

Würdigung der Schutzstrategie: Akzeptiere, dass du ein guter Mensch bist und alles dafür tust um anderen zu helfen. Akzeptiere, dass du schon vielen Menschen geholfen hast und diese dir sehr dankbar sind.

Hilfe: Mache dir bewusst, dass du nicht jedem Helfen kannst. Der Gedanke und der Versuch ist sehr ehrenwert und die Menschen sind dir sehr dankbar. Akzeptiere, dass du Energie tanken musst und für dich selbst da sein musst um die Kraft zu haben anderen zu helfen. Selektiere wo und wann deine Hilfe wirklich angemessen ist. Reflektiere die Situationen, in denen du anderen nur helfen willst um dich selbst besser zu fühlen. So kommst du aus dem Teufelskreis.

Selbstschutz: Kontrollstreben

Typische Glaubenssätze: “Ich vertraue dir nicht.” “Niemand kann das so gut wie ich.” “Ich muss alles im Griff haben.”

Ein leichtes Kontrollstreben ist normal und wichtig. Wir müssen Kontrolle über uns selbst und die SItuationen in unserem Leben behalten. Erst wenn dieses Kontrollstreben überhand nimmt, gilt es als Selbstschutz und beeinflusst uns negativ. Personen die eine starke Ausprägung in diesem Metaschutz vorweisen, neigen dazu sich selbst zu verausgaben. Das ständige Misstrauen gegenüber anderen führt zudem zur sozialen Isolierung. Oft überträgt ein hohes Kontrollstreben sich auch auf die äußere Umwelt. Man versucht nicht nur sich selbst zu optimieren, sondern auch seine Freunde und Familie. Dies führt vor allem in Partnerschaften oft zu Problemen und Konflikten. Der Zwang zur Kontrolle geht oft mit einem hohen Maß an EIfersucht einher.

Würdigung der Schutzstrategie: Akzeptiere, dass du unglaublich diszipliniert bist. Dein Wille ist sehr stark und hilft dir dabei im Leben weiter zu kommen.

Hilfe: Erkläre dir selbst immer wieder, dass du gut genug bist. Akzeptiere, dass du nicht immer die Kontrolle haben kannst. Manche Situationen lassen sich nicht kontrollieren. Lerne den Zufall und das Schicksal zu akzeptieren. Nur so kannst du dich selbst weniger stressen und somit auch dein Umfeld entspannen. 

Selbstschutz: Narzissmus

Typische Glaubenssätze: “Ich bin ein Versager.” “Ich bin wertlos.”

Ein Narzisst ist ein Mensch, der sich selbst besonders liebt und über alle anderen Stellt. Allerdings ist auch diese EIgenschaft lediglich eine Schutzstrategie, die Menschen davor bewahrt von ihren negativen Glaubenssätzen zerstört zu werden. DIe Entwicklung einer Narzisstischen Persönlichkeit deutet meist darauf hin, dass die Person sich in ihrer Kindheit besonders wertlos und kläglich gefühlt hat. Durch die Entwicklung einer Persönlichkeit, die genau das Gegenteil repräsentiert, also besonders toll ist und sich vom Durchschnitt abhebt, versucht die Person diese negativen Glaubenssätze zu verdrängen. Leider gehören hierzu auch die Abwertung anderer Menschen. Narzissten können die vermeintlichen Schwächen anderer nur schwer ertragen, auch dies ist häufig eine Projektion, da es ihnen vor allem schwer fällt ihren eigenen ins Auge zu blicken. Dies sind nur zwei der zahlreichen Eigenschaften eines Narzissten, die es ihm schwer machen sich zu sozialisieren und ernsthafte Bindungen aufzubauen.

Würdigung der Schutzstrategie: Akzeptiere, dass du dir unglaublich viel Mühe gibst dein Bestes zu geben und gute Leistungen zu erzielen. Das erfordert täglich sehr viel Kraft.

Hilfe: Akzeptiere dich so wie du bist und nehme dich inklusive deiner Fehler an. Dein Streben und deine Anstrengungen kosten sowohl dich als auch deine Mitmenschen sehr viel Kraft. Investiere diese Kraft lieber in die Akzeptanz deiner Schwächen und der deiner Mitmenschen. Akzeptiere, dass wir alle Menschen mit Fehlern und Macken sind. Erst dann kannst du dich entspannen.

Dies sind nur drei Beispiele für verschiedene Meta- bzw. Schutzstrategien. Diese sollen dir lediglich als Vorbild dienen. Es ist nun nämlich besonders wichtig, dass du deine eigene, ganz persönliche Schutzstrategie ausfindig machst. Wie du nämlich vermutlich schon selbst erkannt hast sind unsere Schutzstrategien die eigentlichen Ursachen für unsere Probleme. 

Kurz zusammengefasst haben wir bisher gelernt, dass unsere negativen Glaubenssätze uns prägen, diese negativen Glaubenssätze führen zu Schutzstrategien, die uns wiederum negativ beeinflussen und teilweise sogar unsere Charaktereigenschaften bestimmen. Diese Schutzstrategien sind letztendlich unsere eigentlichen Probleme.

Finde deine individuelle Schutzstrategie

Es ist gut möglich, dass du nicht nur eine Schutzstrategie hast sondern diese sich zum Beispiel von Lebensbereich zu Lebensbereich unterscheiden. Vielleicht hast du eine Schutzstrategie für deinen Job und eine für dein Privatleben. Vielleicht hast du eine für deine Partnerschaft und eine für deine Familie. 

Häufig ist es aber so, dass wir General-Schutzstrategien haben, die wir in für uns schwierigen Situationen einsetzen. 

Schutzstrategien-Zaun

Um nun deine Schutzstrategie ausfindig zu machen lässt du einfach die letzte Woche Revue passieren. Denke an Situationen, in denen du dich unwohl gefühlt hast oder in denen du dir dachtest “jetzt habe ich ein Problem”. Es ist zunächst egal, wo oder wie diese Situation sich abgespielt hat, also ob es zum Beispiel auf der Arbeit oder in deiner Freizeit war. Nun geht es darum diese Situation zu analysieren. Wie hast du dich verhalten? Hast du dich zurückgezogen oder bist du zum Angriff übergegangen? Notiere dir deine Entdeckung. Wichtig ist, dass du dir verständliche Notizen machst, also nicht nur das Wort “Angriff” aufschreibst. Verwende am Besten ganze Sätze wie zum Beispiel “ich gehe dem Konflikt aus dem Weg” oder “Ich flüchte mich ins Internet”. 

Je häufiger du diese Übung für verschiedene Zeiträume wiederholst, desto klarer wird dir welche Situationen immer und immer wieder auftreten. Du fängst an Muster zu erkennen und siehst welche Schutzstrategie(n) du immer wieder zeigst und an dir selbst erkennst. Gerne kannst du dir auch verschiedene Lebensabschnitte im Detail anschauen, indem du dir gezielt Situationen aus deinem Job oder Privatleben raussuchst.

Nun hast du den ersten und wichtigsten Schritt getan.

Du erkennst und verstehst deine eigenen Schutzstrategien. Frau Stefanie Stahl, Autorin des Buches “Das Kind in dir muss Heimat finden” bezeichnet diesen Teil deines Seins als das Schattenkind. Übrigens kannst du in diesem Buch noch mehr über die Schutzstrategien erfahren. Hier findest du zudem noch mehr Beispiele für verschiedene Schutzstrategien.

Nachdem wir nun unsere Schutzstrategien, oder auch unser Schattenkind, gefunden haben geht es natürlich darum diese zu neutralisieren. Wie das funktioniert erzähle ich dir dann im nächsten Beitrag des Buch Clubs.    

Ganz viel Liebe,

Unterschrift-julia
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1 Kommentar zu „Schutzstrategien | Wie beeinflussen sie dich und was kannst du dagegen tun?“

  1. Pingback: Exkurs Persönlichkeitsstörungen: Narzissmus | Narzisstische Persönlichkeitsstörung

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